Am 11. Mai ist die nĂ€chste AktionĂ€r*innenversammlung von Heidelberg Materials (frĂŒher HeidelbergCement). Heidelberg Materials ist das zweitklimaschĂ€dlichste Unternehmen Deutschlands, verstĂ¶ĂŸt massiv gegen Völkerrecht und missachtet Menschenrechte.
Wir protestieren dagegen, mit einer Kundgebung und einer Demo.

  1. Warum streiken wir?
  2. Programm
  3. Route
  4. Blöcke
  5. Reden
  6. Mithelfen
  7. Problematische Punkte von HDM

1. Warum streiken wir?

Heidelberg Materials ist der zweitklimaschĂ€dlichste Konzern Deutschlands. DarĂŒber hinaus verletzt der Konzern durch seine Tochterunternehmen in mehreren LĂ€ndern Menschenrechte und verstĂ¶ĂŸt gegen Völkerrecht. Falls du mehr darĂŒber wissen möchtest, stehen weiter unten genaue Informationen zu den Problemen.

Betroffene protestieren schon lange gegen den Konzern. Am 11. Mai ist in Heidelberg die AktionĂ€r*innenversammlung von Heidelberg Materials. Wir möchten an dem Tag deutlich machen, dass wir solidarisch mit den Betroffenen kĂ€mpfen – gegen Menschenrechtsverletzungen, VölkerrechtsbrĂŒche und Klima- und Umweltzerstörung durch Heidelberg Materials!

2. Programm

Kundgebung

Ab 9:00 Uhr vor dem SNP dome

Demo

14:30 Uhr vom Hauptbahnhof zum SNP dome

3. Route

4. Blöcke

5. Reden

6. Mithelfen

Auch fĂŒr diese Demo brauchen wir wieder Ordner*innen. Du bist mindestens 18 Jahre alt und kannst am 11. Mai fĂŒr eine kurze Einweisung schon um 14.10 Uhr da sein? Dann komme in eine der folgenden Gruppen:

Signal Ordner*innen Gruppe
Whatsapp Ordner*innen Gruppe

Über weitere Infos unserer Aktionen am 11. Mai halten wir euch auf dem Laufenden. Folgt uns auch gerne auf unseren Social Media KanĂ€len, um darĂŒber benachrichtigt zu werden und nichts zu verpassen.

Hier kommt ihr auf die

Im Folgenden stellen wir euch die problematischen Punkte von Heidelberg Materials vor (Ihr könnt euch diese auch zusammengefasst in unser aktuellen Social Media Reihe auf unseren Social Media KanÀlen angucken):

I. Westjordanland
II. Togo
III. CO₂ Ausstoß
IV. CCS und CCU
V. Westsahara
VI. Trump
VII. Indonesien
VIII. Alternativen zu Zement

I. Westjordanland

Heidelberg Materials (ehemals HeidelbergCement) betreibt ĂŒber das Tochterunternehmen Hanson Israel seit 2007 den Steinbruch Nahal Raba. Der Steinbruch liegt im von Israel besetzten Westjordanland, das zu PalĂ€stina gehört. Heidelberg Materials ist juristisch gut abgesichert, da Mutter- und Tochterunternehmen getrennte juristische Personen sind. So ist der Mutterkonzern vor Haftung fĂŒr VölkerrechtsverstĂ¶ĂŸe und Menschenrechtsverletzungen geschĂŒtzt. [1, 2]

Der dortige Abbau von Ressourcen verstĂ¶ĂŸt gegen Völkerrecht. Der Abbau von Steinen innerhalb der besetzten Gebiete verletzt das Recht der PalĂ€stinenser*innen auf Selbstbestimmung und uneingeschrĂ€nkte Hoheit ĂŒber natĂŒrliche Ressourcen. Die Ressourcen aus dem Steinbruch kommen der israelischen Baubranche und dem israelischen Siedlungsbau in den besetzten Gebieten zugute. Letzteres ist doppelt problematisch, da so die Errichtung und Erweiterung illegaler israelischer Siedlungen auf palĂ€stinensischem Gebiet gefördert werden. Dennoch wurden zwischen 2019 und 2021 mindestens 150 Lieferungen von Beton an israelische Siedlungen registriert. [1 – 4]

Im Zusammenhang mit dem Steinbruch werden auch Menschenrechte verletzt. So hat Hanson Israel dazu beigetragen, dass der Zugang der PalĂ€stinenser*innen zu Land und Ressourcen durch Israel eingeschrĂ€nkt wurde. Dies verletzt das Recht der PalĂ€stinenser*innen, sich frei zu bewegen. Auch ihr Recht auf Arbeit wird eingeschrĂ€nkt, da ihnen dadurch, dass sie Land und Ressourcen nicht selber nutzen dĂŒrfen, ArbeitsplĂ€tze entgehen. Durch Zerstörung der Umwelt wird darĂŒber hinaus das Recht auf Leben und Gesundheit beeintrĂ€chtigt. [1]

Heidelberg Materials schreibt: “Im Rahmen einer umfassenden Menschenrechtsrisikoanalyse hat sich HeidelbergCement auch mit einer möglichen Verletzung internationalen Rechts durch die GeschĂ€ftstĂ€tigkeit im Steinbruch Nahal Raba beschĂ€ftigt und ist ebenfalls zu dem eindeutigen Schluss gekommen, dass die AktivitĂ€ten das Völkerrecht nicht verletzten”. [5] Die palĂ€stinensische Menschenrechtsorganisation Al-Haq sieht das anders. [1, 6]

Unter öffentlichem Druck gab der Konzern 2019 bekannt, dass sie nach einem KĂ€ufer fĂŒr den Steinbruch suchen. Aktuell ist nach Angaben des Konzerns (Stand Mai 2022) ein Kaufvertrag unterschrieben, aber noch nicht in Kraft getreten. [5] Der Kaufvertrag ist an die Bedingung geknĂŒpft, dass die Abbaugenehmigung verlĂ€ngert wird und der Steinbruch erweitert werden darf. Somit geht die völkerrechtswidrige Ausbeutung weiter und Heidelberg Materials verdient durch den Verkauf daran. Verschiedene lokale Gruppen (darunter Anwohnerinnen aus palĂ€stinensischen Dörfern in der NĂ€he des Steinbruchs und aus zwei StĂ€dten auf israelischem Territorium und verschiedene NGOs) haben Widerspruch gegen die von Hanson Israel beantragte Erweiterung des Steinbruchs geĂ€ußert. Außerdem wĂŒrde die Erweiterung des Steinbruchs den Lebensraum von Wildtieren einschrĂ€nken und fĂŒr signifikanten ökologischen Schaden in der Region sorgen. [7] Eine effektive Wiedergutmachung fĂŒr die Zerstörung und die Ressourcen, die den PalĂ€stinenserinnen geraubt wurden, wird von Heidelberg Materials nicht angestrebt. [1, 2]

II. Togo

Ausbeutung, Landgrabbing und Neokolonialismus durch Heidelberg Materials in Togo: Heidelberg Materials betreibt in Togo die drei Tochterunternehmen Cimtogo, Granutogo und Scantogo, die Menschenrechte verletzen, von den vorherrschenden diktatorischen Strukturen profitieren und sie unterstĂŒtzen.

In den SteinbrĂŒchen werden vor allem ArbeitskrĂ€fte aus umliegenden afrikanischen Staaten befristet beschĂ€ftigt, sodass das togolesische Arbeitsrecht fĂŒr sie nicht gilt und sie keinen Arbeitsvertrag bekommen und keine AnsprĂŒche auf den Mindestlohn, Arbeits- und Sozialstandards stellen können. Viele Arbeiter*innen mĂŒssen unter prekĂ€ren Bedingungen arbeiten und verdienen so nur etwa 50 Cent am Tag, was deutlich unter dem togolesischen Mindestlohn liegt. Dabei hat Heidelberg Materials 2022 einen Umsatz von 21,1 Milliarden Euro gemacht. Wenn ArbeitskrĂ€fte protestieren, werden sie entlassen oder bedroht. Auch kritische Journalist*innen, die ĂŒber die ArbeitsverhĂ€ltnisse berichten wollten, wurden bedroht und eingeschĂŒchtert. [8, 13]

Mit der togolesischen Diktatorfamilie steht Heidelberg Materials seit Jahrzehnten in Verbindung und handelt Deals mit ihr aus. Heidelberg Materials als wichtigster Auslandsinvestor mit guten Kontakten zur diktatorischen Regierung hat so viel Macht ĂŒber das Land und trĂ€gt zur Armut und UnterdrĂŒckung bei. Dass der togolesische Diktator teilweise mit dem MilitĂ€r gegen Proteste vorgeht, scheint Heidelberg Materials egal zu sein. [11, 12]

Die Tochterunternehmen von Heidelberg Materials verursachen in Togo Umweltzerstörungen und -verschmutzung. Viele Anwohner*innen verlieren so ihre Lebensgrundlagen und Landwirtschaft – von der viele Togoles*innen abhĂ€ngig sind – wird unmöglich. Wenn Menschen dann umsiedeln mĂŒssen, geschieht das oft auf eigene Kosten und EntschĂ€digungen von Heidelberg Materials gibt es nur selten.

Um SteinbrĂŒche zu erweitern, werden BĂ€uer*innen ohne EntschĂ€digung enteignet und vertrieben oder Land wird aufgekauft ohne die Besitzer*innen ausreichend zu bezahlen und zu informieren. FPIC Prinzipien (diese sollen bewusste und eigenstĂ€ndige Entscheidungen ermöglichen) werden missachtet und Raubbau betrieben, oft werden dabei auch heilige StĂ€tten und GrĂ€ber zerstört.
So fĂŒgt Heidelberg Materials dem Land große wirtschaftliche und kulturelle Verluste zu. [9 – 12]

III. CO₂ Ausstoß

WĂ€hrend jede*r RWE kennt, ist der zweitklimaschĂ€dlichste Konzern im DAX deutlich unbekannter. Dabei ist es mit Heidelberg Materials ein Konzern, der hier direkt vor unserer HaustĂŒr sitzt. Im Jahr 2022 war allein der Mutter-Konzern fĂŒr den Ausstoß von 70.7 Mio. Tonnen CO₂ verantwortlich. [14]

Ein Modell von right. based on science GmbH zeigt, dass sich die Erde bis 2050 um ca. 10,7°C erhitzen wĂŒrde, wenn alle Unternehmen so emissionsintensiv wirtschaften wĂŒrden wie Heidelberg Materials. [15, 16]

Doch warum stĂ¶ĂŸt Heidelberg Materials eigentlich so viel CO₂ aus? Die Herstellung von Zement ist extrem klimaschĂ€dlich. Sie ist fĂŒr ca. 8% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. [17] Alleine durch die Herstellung von einem Kubikmeter Stahlbeton plus des darin befindlichen Stahls werden im Durchschnitt 320 bis 340 Kilogramm CO₂ emittiert. Dies entspricht der Menge an CO₂, die 4000 BĂ€ume an einem Tag aufnehmen können. [18] Die Herstellung von einer Tonne Zement verursacht bei Heidelberg Materials 586 kg CO₂. [14] DafĂŒr gibt es zwei GrĂŒnde: Die Produktion ist extrem energieintensiv: Wenn die Zementöfen fossil geheizt werden, sorgt allein dies fĂŒr große Mengen an Treibhausgasemissionen. Dies wĂ€re durch erneuerbare Heizenergie vermeidbar. Der grĂ¶ĂŸte Teil der Emissionen wird allerdings bei der Verarbeitung von Kalkstein zu Klinker freigesetzt. Dieser chemische Prozess ist weltweit fĂŒr circa die HĂ€lfte der Emissionen der Zementindustrie verantwortlich. Diese Emissionen sind nur durch chemische Änderungen des Baustoffs oder weniger Betonverbrauch zu reduzieren. [17, 19]

IV. CCS und CCU

Das von Heidelberg Materials verursachte CO₂ entsteht vor Allem durch eine chemische Reaktion bei der Zementherstellung. Diese Emissionen kann man also nur dadurch verringern, dass weniger Zement hergestellt wird. Dies ist möglich, die Alternativen gibt es. Diese werden wir euch noch vorstellen. Dadurch wĂ€re es möglich, dass wir mit einer deutlich geringeren Menge an Zement auskommen. Leider setzen die PlĂ€ne von Heidelberg Materials fĂŒr die Reduktion ihrer Emissionen aber vor allem auf CCS (und CCU). Diese Technologien haben durchaus Potential, aber wir halten die Strategie von Heidelberg Materials dennoch fĂŒr ungeeignet.

Aber was bedeuten CCS und CCU eigentlich? CCS steht fĂŒr Carbon Capture and Storage (Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff) und CCU fĂŒr Carbon Capture and Utilization (Abscheidung und Nutzung von Kohlenstoff). Das CO₂ wird dabei aus der AtmosphĂ€re oder direkt an der Quelle abgeschieden, aufbereitet, komprimiert und dann entweder im Untergrund eingelagert oder weitergenutzt. [20, 21] Bei der Verwendung von CCU landet das zunĂ€chst abgeschiedene CO₂ durch die Nutzung oftmals wieder in der AtmosphĂ€re. Wird CCU fĂŒr die Herstellung von Treibstoffen oder Heizgas verwendet, entstehen durch die Nutzung Emissionen. Um CCU zur effektiven Entfernung von CO₂ aus der AtmosphĂ€re zu nutzen, muss sichergestellt werden, dass aus dem abgeschiedenen CO₂ langlebige Materialien hergestellt werden. [22]

CCS und CCU können also bei der BekĂ€mpfung der Klimakrise helfen. Wo ist dann das Problem? ZunĂ€chst einmal sind die Projekte, die Heidelberg Materials bislang plant, im Vergleich zu den enormen CO₂-Emissionen wenig effektiv. So soll das erste CCS-Projekt des Konzerns 2024 in Brevik in Norwegen in Betrieb gehen. Nach Angaben des Konzerns soll dies 400 Tausend Tonnen CO₂ pro Jahr abscheiden. Dies entspricht gerade einmal knapp 0,6% der Emissionen des Konzerns. [23]

Um alle Emissionen auszugleichen, mĂŒsste der Konzern also noch ca. 175 gleichartige Anlagen bauen und betreiben. Und das ist problematisch, da die Technologie nicht einfach skalierbar ist. Das liegt zum einen daran, dass noch nicht endgĂŒltig geklĂ€rt ist, ob die Speicherung im großen Stil langfristig möglich und sicher ist. Außerdem benötigt die Abscheidung sehr viel Energie. [24]
FĂŒr die BekĂ€mpfung der Klimakrise muss der Fokus auf radikaler Emissionsreduktion liegen. Das wurde zu lange verschleppt, weshalb sichere CCS und CCU Technologien notwendig sind. So sagt Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, Direktor und Chefökonom des Potsdam-Instituts fĂŒr Klimafolgenforschung: “FĂŒr das Erreichen der Pariser Klimaziele ist die aktive Entnahme von CO₂ aus der AtmosphĂ€re unabdingbar, deshalb sehe ich bei CO₂-Speicherung großes Potenzial.” [25] Dies zeigt, wie dringend die Nationen, die bisher am meisten zur Klimakrise beitragen, ihre Emissionen reduzieren mĂŒssen. FĂŒr die Emissionen, die wirklich nicht vermeidbar sind, ist CCS eine gute Lösung. Heidelberg Materials arbeitet allerdings nur wenig an der Reduktion und prĂ€sentiert CCS als Ausgleich dafĂŒr. In unseren Augen ist dies Greenwashing. Sie haben kein Interesse an einer klaren Reduktion ihrer Emissionen, sondern wollen ihr bisheriges GeschĂ€ftsmodell unter allen UmstĂ€nden erhalten.

V. Westsahara

Heidelberg Materials und der Völkerrechtsbruch in der Westsahara: Heidelberg Materials kontrolliert ĂŒber die marokkanische Tochtergesellschaft Ciments du Maroc zwei Zementfabriken in der Westsahara. Die Westsahara war bis 1975 spanische Kolonie und wird seitdem völkerrechtswidrig von Marokko besetzt. Eigentlich gehört das Land den Sahrauis, dem Volk der Westsahara. Deren Proteste werden vom marokkanischen MilitĂ€r gewaltsam unterdrĂŒckt, auch gegen Menschenrechtsaktivist*innen wird vorgegangen. Seit der marokkanischen Besetzung musste die HĂ€lfte der Bevölkerung fliehen, ca. 200.000 Sahrauis leben in FlĂŒchtlingslagern in Algerien. [26]

Die beiden Zementfabriken der Tochtergesellschaft von Heidelberg Materials wurden von der marokkanischen Regierung genehmigt, ohne die Zustimmung des Volkes der Westsahara bzw. deren Vertretung Frente Polisario. Das Unternehmen betrachtet Marokko als die zustĂ€ndige Behörde auf dem Gebiet. [27] Der EuropĂ€ische Gerichtshof hat in seinem Urteil vom 29. September 2021 alle die Westsahara einschließenden Handelsabkommen zwischen der EU und Marokko annulliert, da diese ohne die Zustimmung des Volkes der Westsahara dessen Selbstbestimmungsrecht verletzen. Das Gericht betonte, dass die Zustimmung der Frente Polisario fĂŒr solche Abkommen notwendig ist. Heidelberg Materials marokkanische Tochtergesellschaft macht jedoch weiterhin Profite in der Westsahara, ohne die Frente Polisario um Erlaubnis gefragt zu haben. [28, 29] Die Zementfabriken liefern dabei vermutlich das Grundmaterial fĂŒr Marokkos fortwĂ€hrende Siedlungspolitik in der Westsahara. Nach Ansicht der wissenschaftlichen Dienste des Bundestages begrĂŒndet diese Siedlungspolitik ein Kriegsverbrechen. [29]

VI. Trump

Ende 2016 gewann Donald Trump die Wahl zum US-PrĂ€sidenten. Eines seiner Wahlkampfversprechen war die Erweiterung der Mauer zwischen Mexiko und den USA. DarĂŒber hat sich Bernd Scheifele, der damalige Vorstandsvorsitzende von Heidelberg Materials (damals noch HeidelbergCement) gefreut. So sagte er, eine solche Mauer werde “nicht aus Holz gebaut, sondern aus Zement”. Heidelberg Materials könne als Lieferant in Texas und Arizona vom Mauerbau profitieren. [30]

FĂŒr diese Profitchancen hat Heidelberg Materials Donald Trump im Wahlkampf krĂ€ftig unterstĂŒtzt. Auch wenn der Konzern aufgrund amerikanischer Regulationen dafĂŒr den Umweg ĂŒber ein so genanntes PAC nehmen musste, wurden fĂŒr den Midterm Wahlkampf 2018 94% der 118.000 Dollar von Heidelberg Materials an Trumps Republikaner gespendet [31]. Auch im Wahlkampf zur PrĂ€sidentschaftswahl 2016 floss viel Geld von Heidelberg Materials an Donald Trump [32].

VII. Indonesien

Heidelberg Materials betreibt in Indonesien die Tochterfirma Indocement, die wiederum mehrere Tochterfirmen betreibt. Obwohl der Konzern in Indonesien schon mehrere Zementwerke hat, soll ein weiteres Zementwerk und eine Kalksteinmine im Kendeng-Gebirge auf der Insel Java gebaut werden. Das Kendeng-Gebirge ist ein seltenes Karstgebirge, das eigentlich unter Schutz steht und von dem viele sensible Ökosysteme und die ansĂ€ssigen indigenen Gemeinden und BĂ€uer*innen abhĂ€ngig sind. Die indigenen Samin-Gemeinden haben dem Konzern nie ihre Zustimmung fĂŒr den Abbau der Rohstoffe und fĂŒr das Zementwerk gegeben. Heidelberg Materials verstĂ¶ĂŸt damit gegen die FPIC-Prinzipien der UN, laut denen indigene Gemeinden freiwillig, vorab und in Kenntnis der Sachlage ihre Zustimmung geben mĂŒssen. [33]
Die lokale Bevölkerung leistet seit Jahrzehnten Widerstand und demonstrierte schon vor der deutschen Botschaft in Indonesien, vor Heidelberg Materials und vor dem indonesischen PrĂ€sidentenpalast. Mehrfach zementierten sich einige Demonstrant*innen sogar die FĂŒĂŸe ein und demonstrierten so tagelang. [33]
WĂŒrde Indocement die PlĂ€ne so durchfĂŒhren, wĂŒrden mindestens 35.000 Menschen Zugang zu Wasser verlieren, Lebensmittelknappheit, Überschwemmungen, DĂŒrren und unfreiwillige Umsiedlungen wĂ€ren weitere Folgen. Zudem wĂŒrden spirituelle StĂ€tten der lokalen Bevölkerung und Ökosysteme, die der Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten sind, zerstört, die lokale Bevölkerung marginalisiert, irreversible Umweltzerstörungen angerichtet und Existenzgrundlagen gefĂ€hrdet. Die Tochterfirma von Heidelberg Materials wĂŒrde also Menschenrechte verletzen. [34, 35, 36]
Obwohl das Gebirge unter Schutz steht und Gutachten davor warnen, dort Rohstoffe abzubauen, hat Indocement eine Genehmigung dafĂŒr bekommen. Das ist durch den starken Einfluss der Zementlobby auf die Politik zu erklĂ€ren, weshalb die RechtmĂ€ĂŸigkeit der Genehmigung von AnwĂ€lt*innen angezweifelt wird. [33, 34]

Indonesische Gemeindevertreter*innen haben 2020 eine OECD-Beschwerde gegen Heidelberg Materials bei der deutschen Bundesregierung eingelegt. Diese sind dafĂŒr da, unrechtmĂ€ĂŸige Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen multinationaler Konzerne zu unterbinden. Leider ist das Verfahren allerdings oft unwirksam und Rechtsverletzungen der gemeldeten Konzerne werden nur selten gestoppt. Ebenso bei Heidelberg Materials. Der Konzern will seine PlĂ€ne nach der Beendigung des Verfahrens nun unverĂ€ndert fortsetzen. [33]
Die Aktivist*innen, die gegen das Vorhaben kĂ€mpfen, und Landbesitzer*innen werden immer wieder bedroht und mĂŒssen Repressionen fĂŒrchten. Außerdem ĂŒbt der Konzern und die lokale Polizei so viel Druck auf die Anwohner*innen aus, dass es innerhalb der Gemeinde inzwischen Spannungen und Konflikte gibt. [37]

VIII. Alternativen zu Zement

WĂ€hrend die Menschenrechtsverletzungen und VölkerrechtsbrĂŒche durch Heidelberg Materials vermeidbar sind, wird durch eine chemische Reaktion bei der Zementherstellung zwingend CO2 freigesetzt [38]. Deshalb ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft die benötigte Zementmenge stark reduzieren.

Ein wichtiger Beitrag dafĂŒr ist, dass wir weniger neue GebĂ€ude bauen sollten. Das mag beim aktuellen Mangel an bezahlbarem Wohnraum zunĂ€chst komisch klingen, aber es gibt einige Sparmaßnahmen, die diesen Mangel nicht verschĂ€rfen. So spart die energetische Sanierung von bereits bestehenden GebĂ€uden im Vergleich zu deren Abriss und anschließendem Neubau Ressourcen und CO2 ein. Das Wuppertal Institut fĂŒr Klima, Umwelt, Energie kommt zu dem Schluss, dass schon allein die Entsorgung aller Bestandteile eines abgerissenen GebĂ€udes umweltschĂ€dlicher ist als eine Sanierung. Selbst, wenn sanierte GebĂ€ude bis 2070 weiterhin mit Erdgas ihren WĂ€rme- und Warmwasserbedarf abdecken wĂŒrden, ĂŒberstiege der ökologische Fußabdruck der Sanierung erst am Ende des Betrachtungszeitraums
im Jahr 2070 den ökologischen Fußabdruck des Neubaus [39]. Deshalb sollte eine Sanierung (optimalerweise inkl. Einbau einer klimafreundlichen Heizung, falls noch nicht vorhanden; durch das neue GebĂ€udeenergiegesetz ist sowieso festgelegt, dass kaputte Heizungen durch klimafreundliche ersetzt werden sollen) Abriss und Neubau vorgezogen werden, wann immer es möglich ist.

Außerdem sollten wir den bereits vorhandenen Wohnraum besser nutzen. Die durchschnittliche WohnflĂ€che pro Person steigt seit Jahren kontinuierlich. Im Jahr 2021 lag sie in Deutschland bei 47,7 mÂČ. Ein Grund dafĂŒr ist, dass Eltern nach Auszug der Kinder oft in der großen Familienwohnung bleiben [40]. NatĂŒrlich möchten wir niemanden zwingen, aus einer zu großen Wohnung auszuziehen, wenn er oder sie das nicht möchte. Allerdings sollten Anreize dafĂŒr geschaffen werden, um den nicht benötigten Wohnraum effizienter zu nutzen. Es sollte nicht passieren, dass Menschen nicht in eine kleinere Wohnung ziehen, weil sie dann mehr Miete bezahlen wĂŒrden als bisher. Ein weiterer Lösungsansatz ist flexibel nutzbarer Wohnraum, bei dem frei werdender Wohnraum abteilbar ist [41].
DarĂŒber hinaus hat der Mikrozensus 2018 ergeben, dass zum Zeitpunkt der Erhebung 8,2% der Wohnungen in Deutschland nicht bewohnt waren (Anmerkung: Beim Mikrozensus wurden auch Wohnungen gezĂ€hlt, die zwar nicht bewohnt, aber vermietet waren) [42]. Eine effektive BekĂ€mpfung von Leerstand sorgt dafĂŒr, dass weniger neue GebĂ€ude gebaut werden mĂŒssen.
Große Konzerne wie Heidelberg Materials haben Interesse an Neubau, da sie damit am meisten Profit machen können. In unserem Wirtschaftssystem sind sie darauf angewiesen, jedes Jahr mehr zu profitieren und damit mehr zu bauen. Deshalb unterstĂŒtzen sie die oben genannten Möglichkeiten nicht.
Auch beim Bau von GebĂ€uden ist es möglich, die Menge an benötigtem Zement zu reduzieren. DafĂŒr eignen sich z.B. Flach- oder Hohldecken, Graduiertenbeton (Betonzusammensetzung variiert ĂŒber den Querschnitt eines Bauteils) oder Carbonbeton (Verwendung von Carbonfasern anstelle von Stahl ermöglicht bei gleicher TragfĂ€higkeit die Einsparung von bis zu 50% des Betons) [43]. Es gibt auch alternative Baustoffe, die ganz ohne Zement auskommen. Lehm ist z.B. ein natĂŒrlicher, ungiftiger und langlebiger Baustoff, der gut WĂ€rme speichert. Durch Zusatz von Holz oder Stroh speichert Lehm WĂ€rme sogar noch besser [44].

Neben Lehm kann auch Holz eine Rolle beim Bauen von klimafreundlichen GebÀuden spielen. Holz kann als nachwachsender Rohstoff sogar CO2 speichern. Allerdings ist es wichtig, dass das verwendete Holz aus nachhaltig bewirtschafteten und möglichst regionalen WÀldern stammt [45, 46].
Trotz all dieser Möglichkeiten werden wir als Gesellschaft wohl auch in Zukunft nicht komplett ohne Zement auskommen. FĂŒr die unvermeidbaren Restemissionen kann CCS eine gute Lösung sein. Die Reduktion des benötigten Zements muss allerdings an erster Stelle stehen. Heidelberg Materials produziert dennoch weiterhin große Mengen an Zement und versucht dies mit dem Bau von CCS-Anlagen zu beschönigen, die nur einen Bruchteil der CO2-Emissionen des Konzerns ausgleichen können [47].